Hoffnung auf ministerielle Unterstützung
(fb) Der Umgang mit Behinderten ist ein Gradmesser für die Humanität einer Gesellschaft. Die Bewährungsprobe für diese Aussage erlebt seit einiger Zeit die Epilepsieklinik für Kinder und Jugendliche. Im Projekt „Sonnenkinder“ engagieren sich seit 2004 Klinikmitarbeiter für schwer mehrfach behinderte Kleinkinder, deren Versorgung nicht in befriedigendem Umfang durch das bestehende System an Leistungen gedeckt ist.
Die kleinen Patienten leben für Wochen oder Monate – im Einzelfall auch mehrere Jahre
- in der Klinik. Für sie soll in enger Anbindung an die Klinik ein Wohnangebot geschaffen werden, damit sie in einer normalen Umgebung leben können und dennoch in kritischen Situationen ärztlich gut versorgt sind.Nach mehreren erfolglosen Anläufen, eine Mischfinanzierung von verschiedenen Kranken- und Sozialkassen zu erreichen, ist das Thema jetzt in der Landesregierung angekommen. „Wir werden uns in Stuttgart mit den entsprechenden Verantwortlichen zusammen setzen und unser Möglichstes versuchen, eine Lösung zu finden“, versprachen Finanzminister Willi Stächele und Sozialministerin Dr. Monika Stolz bei einem Vor-Ort-Besuch den Eltern der kleinen Patienten und den Vertretern des Vereins „Sonnenkinder“.
Im Gespräch mit den beiden Ministern konnten die Eltern ihre Nöte sowie ihren körperlich und seelisch aufreibenden Alltag schildern. Die Pflege des schwerkranken Kindes rund um die Uhr und die Sorgen bestimmen den Alltag. Hierunter leiden auch die gesunden Kinder und häufig zerbrechen Ehen unter der Dauerbelastung. „Wir sind einfach am Ende“, so die Mutter eines zweieinhalbjährigen Mädchens mit nächtlichen Schreianfällen. „Die Wohngruppe soll vor allem leisten, dass die Eltern eine Auszeit finden, während der sie sicher sein können, dass ihr Kind gut betreut und gefördert wird“, sagte Dr. Adelheid Wiemer-Kruel, leitende Oberärztin und 1. Vorsitzende des Vereins „Sonnenkinder“. „Für die Krankenkassen sind die Kinder nicht ausreichend krank, da sie nicht ständig von Schleim befreit oder beatmet werden müssen“, erläutert die Ärztin. Dennoch benötigten sie eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung, die in unterschiedlicher Häufigkeit ärztliche Leistungen erforderlich machten. Die Notwendigkeit einer solchen Wohngruppe sei bei den meisten Entscheidungsträgern unumstritten. Keiner wolle jedoch über seinen Schatten springen, um die Finanzierung zu ermöglichen. Die Minister versprachen, einen Termin mit Entscheidern zu vereinbaren, um für die „Sonnenkinder“ eine finanzielle Lösung zu finden.